Bei einer Tax Due Diligence kommen zwei Dinge zusammen, die sich nur schwer miteinander vereinbaren lassen: hoher Zeitdruck und große Mengen komplexer Informationen. Steuerberater müssen Unterlagen eines Zielunternehmens sichten, steuerlich relevante Sachverhalte erkennen, Risiken bewerten und daraus einen belastbaren Report für eine Unternehmenstransaktion erstellen.
Dafür braucht es vor allem Fachwissen und Erfahrung. Gleichzeitig besteht der Prozess aus vielen Arbeitsschritten, die sich standardisieren, strukturieren und teilweise automatisieren lassen.
Hier setzt die M&A Factory von RÖDL an. Die individuelle Anwendung wurde gemeinsam mit den Softwarehelden entwickelt und basiert auf deren Digitalisierungsplattform Cluu. RÖDL brachte das steuerliche Know-how, die Bewertungslogiken und die Anforderungen an den Prozess ein. Die Softwarehelden machten daraus eine digitale Anwendung. Cluu bildet das technische Fundament.
Der Anwendungsfall zeigt damit mehr als die Digitalisierung eines einzelnen Beratungsprozesses. Er zeigt, wie sich spezialisiertes Fachwissen in Software überführen lässt, ohne für jeden neuen Anwendungsfall eine komplette technische Plattform von Grund auf neu entwickeln zu müssen.
Die fachliche Aufgabe einer Tax Due Diligence ist klar: Steuerliche Risiken eines Unternehmens müssen erkannt, bewertet und für die Entscheidungsträger einer Transaktion nachvollziehbar dokumentiert werden. Komplex wird die Aufgabe durch die Rahmenbedingungen. M&A-Prozesse stehen häufig unter erheblichem Zeitdruck. Gleichzeitig müssen große und sehr unterschiedliche Datenbestände ausgewertet werden. Manuelle Abläufe kosten entsprechend viel Zeit und können dazu führen, dass Ergebnisse unterschiedlich aufbereitet werden.
RÖDL nennt deshalb vor allem Standardisierung, Automatisierung und Nachvollziehbarkeit als zentrale Ziele der M&A Factory.
Die Herausforderung bestand jedoch nicht darin, einen bestehenden Prozess einfach in eine digitale Eingabemaske zu übertragen. Das Wissen der Steuerexperten musste vielmehr so strukturiert werden, dass eine Software damit arbeiten kann.
Welche Informationen sind relevant? Nach welchen Kriterien werden sie eingeordnet? Welche Bewertungslogiken gelten? Wie müssen Ergebnisse dokumentiert werden? Und an welchen Stellen braucht es zwingend die Prüfung und Entscheidung eines Steuerberaters? Erst wenn solche Fragen beantwortet sind, kann aus einem fachlichen Prozess eine funktionierende digitale Anwendung entstehen.
Die M&A Factory unterstützt die Tax Due Diligence entlang eines definierten Prozesses. Steuerlich relevante Informationen werden automatisiert erkannt, strukturiert und anhand hinterlegter Bewertungslogiken eingeordnet. Erkannte Risiken können anschließend in den Tax Due Diligence Report einfließen. Dabei kommt auch künstliche Intelligenz zum Einsatz, unter anderem bei der Datenextraktion, Strukturierung und Bewertung. Entscheidend ist jedoch die Arbeitsteilung.
Die Software bereitet Informationen auf, strukturiert Abläufe und sorgt für einen konsistenten Prozess. Die fachliche Bewertung bleibt bei den Steuerberatern. Sie prüfen die Ergebnisse und tragen die Verantwortung für die steuerliche Einschätzung.
Expertenwissen wird also nicht durch Software ersetzt. Es wird in einen digitalen Prozess übersetzt und dort systematisch nutzbar gemacht.
Gerade für wissensintensive Unternehmensbereiche ist dieses Prinzip interessant. Denn die eigentliche Schwierigkeit vieler Digitalisierungsprojekte liegt nicht in der Technologie. Sie liegt darin, oft implizites Fachwissen in Regeln, Datenstrukturen und Workflows zu übertragen, ohne die notwendige fachliche Entscheidungsfreiheit einzuschränken.
Bei der Entwicklung der M&A Factory waren die Rollen klar verteilt. RÖDL definierte die fachlichen Anforderungen, Prozessschritte und Bewertungslogiken der steuerlichen Due Diligence. Die Softwarehelden überführten diese Anforderungen in digitale Workflows und entwickelten die Anwendung auf Basis von Cluu.
Die fachliche Hoheit blieb damit dort, wo auch das Wissen sitzt: bei den Steuerexperten von RÖDL. Die technische Aufgabe der Softwarehelden bestand darin, dieses Wissen in eine funktionierende Anwendung zu übersetzen.
Cluu liefert die gemeinsame Plattform. Daten, Prozesslogiken, Benutzeroberflächen und bestehende Systeme lassen sich innerhalb einer gemeinsamen Architektur miteinander verbinden. Darauf können individuelle Anwendungen aufgebaut und bei neuen Anforderungen weiterentwickelt werden.
Für RÖDL bedeutete das: Die M&A Factory musste technisch nicht bei null beginnen. Statt zunächst eine komplette Basisarchitektur zu entwickeln, konnte sich die Entwicklung wesentlich stärker auf den eigentlichen Fachprozess konzentrieren.
Dieser Unterschied wird besonders dann relevant, wenn ein Unternehmen nicht nur einen einzelnen Prozess digitalisieren möchte.
In Fachabteilungen existieren häufig zahlreiche spezialisierte Abläufe, für die Standardsoftware entweder zu starr oder zu umfangreich ist. Individuelle Software kann diese Lücke schließen. Wird jedoch jede Anwendung vollständig separat entwickelt, entsteht schnell die nächste Herausforderung: eigene Datenmodelle, eigene Berechtigungskonzepte, eigene Schnittstellen, eigene Benutzeroberflächen und eigene Betriebsstrukturen.
Die Digitalisierung eines Prozesses kann so neue IT-Komplexität schaffen. Ein Plattformansatz versucht, genau das zu vermeiden. Wiederkehrende technische Funktionen müssen nicht für jede Anwendung neu entwickelt werden. Stattdessen entsteht eine gemeinsame technische Grundlage, auf der unterschiedliche Fachanwendungen aufsetzen können. Die Entwicklungsarbeit verschiebt sich dadurch: weg von immer wiederkehrender technischer Basisarbeit und hin zum konkreten Geschäftsprozess.
Die M&A Factory ist dafür ein gutes Beispiel. Die Anwendung selbst ist sehr spezifisch auf die steuerliche Transaktionsberatung zugeschnitten. Die Plattform darunter ist es nicht.
Cluu wurde ursprünglich für komplexe Prozesse in der Automobilentwicklung und -erprobung entwickelt und wird heute als Digitalisierungsplattform für unterschiedliche Unternehmensprozesse eingesetzt.
Für CIOs, CTOs, CDOs und Fachverantwortliche ist genau diese Trennung interessant: Der fachliche Prozess kann individuell bleiben, ohne dass auch das technische Fundament jedes Mal neu gebaut werden muss.
Der Fall RÖDL zeigt noch etwas anderes: Erfolgreiche Prozessdigitalisierung ist selten ein reines IT-Projekt. Technologie kann Daten strukturieren, Workflows ausführen und Regeln anwenden. Sie weiß aber nicht von selbst, warum ein erfahrener Steuerberater einen bestimmten Sachverhalt als relevant einstuft, welche Informationen für eine Bewertung benötigt werden oder wie ein Risiko fachlich einzuordnen ist. Dieses Wissen kommt aus der Fachabteilung.Die Aufgabe der Technologie besteht darin, daraus einen verlässlichen digitalen Prozess zu machen.
Bei der M&A Factory treffen deshalb zwei Kompetenzen aufeinander: die steuerliche Transaktionsexpertise von RÖDL und die Plattform- und Entwicklungskompetenz der Softwarehelden.
Gemeinsam entstand daraus eine Anwendung, die einen komplexen, wissensintensiven Prozessstrukturiert unterstützt und gleichzeitig die fachliche Prüfung beim Expertenbelässt. Darin steckt auch eine übertragbare Erkenntnis für andere Unternehmen.
Am Anfang eines Digitalisierungsprojekts muss nicht zwingend die Frage stehen: Welche Software gibt es dafür bereits am Markt?
Oft ist eine andere Frage interessanter: Welches wertvolle Fachwissen steckt heute in unseren Abteilungen, Köpfen, Excel-Dateien oder manuellen Abläufen – und wie lässt es sich so strukturieren, dass daraus ein digitaler Prozess entsteht? Cluu liefert dafür nicht den fertigen Fachprozess.
Die Plattform schafft die technische Grundlage, auf der Unternehmen ihr eigenes Wissen in individuelle Anwendungen überführen können.
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