Weniger Code, mehr Spielraum: Wie Low-Code die Entwicklung individueller Unternehmenssoftware verändert

23.10.2026

Eine zusätzliche Freigabe im Einkauf, neue Prüfschritte in der Fertigung oder geänderte Vorgaben für das Projektmanagement: Was aus Sicht der Fachabteilung wie eine kleine Anpassung aussieht, kann für die Unternehmens-IT schnell zu einem größeren Entwicklungsprojekt werden. Datenmodelle sind zu erweitern, Benutzeroberflächen zu überarbeiten, Schnittstellen anzupassen und die Änderungen gründlich zu testen. Bis die gewünschte Funktion tatsächlich zur Verfügung steht, vergehen nicht selten mehrere Entwicklungszyklen.

Low-Code-Plattformen setzen genau hier an und sollen den Aufwand deutlich verringern. Ein großer Teil der Softwareentwicklung erfolgt dabei nicht mehr durch klassische Programmierung, sondern über Konfiguration. Für CIOs und CTOs ergeben sich daraus neue wirtschaftliche Perspektiven für die Entwicklung individueller Unternehmenssoftware.

Ein großer Teil des Aufwands entsteht durch wiederkehrende Aufgaben

Bei der Entwicklung einer Geschäftsanwendung fließt nur ein Teil der Arbeit in die eigentliche Fachfunktion. Hinzu kommen Benutzeroberflächen, Datenzugriffe, Berechtigungen und Suchfunktionen sowie oft auch Workflows, Dokumentenverwaltung und Schnittstellen. Zahlreiche dieser Bausteine sind in verschiedenen Anwendungen nahezu identisch. In der klassischen Individualentwicklung müssen sie dennoch oft neu programmiert oder mit erheblichem Aufwand eingebunden werden.

Low-Code verfolgt hier einen anderen Ansatz: Wiederverwendung statt Neuentwicklung. Vorgefertigte Komponenten und modellbasierte Konfiguration übernehmen Aufgaben, für die sonst manuell programmiert werden müsste. So können Datenstrukturen, Oberflächen und Geschäftsregeln mit deutlich weniger Entwicklungsarbeit aufgebaut und später angepasst werden. Bei No-Code entfällt die Programmierung für bestimmte Aufgaben sogar vollständig.

Finanziell macht sich das vor allem durch kürzere Entwicklungszeiten bemerkbar. Während die Plattform grundlegende Funktionen übernimmt, haben Entwickler mehr Zeit für komplexe Fachlogik und Anforderungen, die sich nicht mit Standardkomponenten abdecken lassen.

Damit wird maßgeschneiderte Software auch für Einsatzbereiche attraktiv, in denen sich eine vollständige Neuentwicklung aus Kostengründen bisher kaum gelohnt hätte.

Individuelle Anpassungen werden Teil des laufenden Betriebs

Wie groß der Nutzen tatsächlich ist, zeigt sich oft erst dann, wenn eine Anwendung bereits im Einsatz ist.

Geschäftsprozesse entwickeln sich ständig weiter. Unternehmen wachsen, Zuständigkeiten werden neu verteilt und rechtliche Rahmenbedingungen verändern sich. Bei klassisch entwickelter Software bedeutet das meist: neue Änderungsanforderungen, zusätzliche Entwicklungsaufträge und weitere Releases.

Mit einer Low-Code-Plattform lassen sich solche Anpassungen einfacher durchführen. Ob ein weiterer Genehmigungsschritt, ein zusätzliches Datenfeld oder eine veränderte Benutzeransicht benötigt wird: Unterstützt das Konfigurationsmodell die jeweilige Anforderung, ist dafür keine umfangreiche Neuprogrammierung nötig.

Auf diesem Prinzip baut auch die Digitalisierungsplattform Cluu von Softwarehelden auf. Zum Funktionsumfang gehören konfigurierbare Geschäftsobjekte, Benutzeroberflächen, Workflows und Regeln. Damit lassen sich bestehende Anwendungen weiterentwickeln oder individuelle Lösungen aufbauen, ohne dass Unternehmen sämtliche technischen Grundlagen selbst programmieren müssen.

Für die Fachabteilungen kann sich so die Zeit zwischen einer neuen Anforderung und ihrer Umsetzung im Produktivbetrieb deutlich verkürzen. Gleichzeitig behält die IT die Kontrolle über Änderungen, ohne aus jeder fachlichen Anpassung gleich ein eigenes Entwicklungsprojekt machen zu müssen.

Entscheidend ist die Anbindung an die bestehende IT-Landschaft

Eine Anwendung mag noch so schnell entwickelt sein. Entsteht dadurch lediglich ein weiteres Datensilo, hält sich ihr Nutzen in Grenzen.

Vor allem größere Unternehmen arbeiten mit IT-Landschaften, die über viele Jahre gewachsen sind. Relevante Informationen verteilen sich auf ERP-Systeme, Fachanwendungen, Datenbanken und Dokumentenablagen. Neue Lösungen müssen auf diese Daten zugreifen können, ohne dabei die bestehenden Abläufe zu beeinträchtigen.

Genau an diesem Punkt geht Cluu über die Möglichkeiten eines einfachen App-Builders hinaus. Grundlage ist ein virtuelles, graphbasiertes Datenmodell, über das sich Informationen aus verschiedenen Systemen anhand ihrer fachlichen Zusammenhänge verknüpfen lassen. Bestehende Datenquellen können integriert werden, ohne zuvor alle Informationen in eine neue, zentrale Datenbank übertragen zu müssen.

Wie das funktioniert, lässt sich am Automotive Testing zeigen: Eine Anwendung für die Verwaltung von Prüfaufträgen greift auf Informationen zu Fahrzeugen, Bauteilen, Prüfständen, Messdaten und zuständigen Personen zu. Oft sind diese Informationen auf mehrere Systeme verteilt. Mit Cluu können die fachlichen Beziehungen zwischen den Daten in einem gemeinsamen Modell dargestellt und anschließend von Anwendungen genutzt werden.

Dadurch verringert sich die Arbeit, die sonst bei jeder neuen Anwendung für das Zusammenführen der benötigten Informationen anfällt. Einmal angebundene Daten und bereits definierte Beziehungen stehen auch für weitere Geschäftsprozesse zur Verfügung.

Je mehr Anwendungen sinnvoll integriert werden, desto größer wird damit der praktische Nutzen der Plattform.

Weniger Code macht eine durchdachte Architektur nicht überflüssig

Auch mit Low-Code verschwinden technische Komplexität und die Verantwortung der IT nicht einfach. Geschäftsmodelle brauchen weiterhin eine klare Struktur, Zugriffsrechte müssen zuverlässig gesteuert und Integrationen dauerhaft stabil betrieben werden.

Für diese Aufgaben bringt Cluu zentrale Plattformfunktionen mit. Dazu zählen regelbasierte Berechtigungen, Versionierung, Historisierung sowie Schnittstellen wie REST und OData. Wo die vorhandenen Möglichkeiten nicht ausreichen, können spezielle Anforderungen mithilfe von SDKs und Erweiterungen umgesetzt werden.

Für professionelle Entwickler ändern sich dadurch vor allem die Schwerpunkte ihrer Arbeit. Sie müssen sich weniger mit dem wiederholten Aufbau technischer Basisfunktionen beschäftigen und können mehr Energie in Integrationen, anspruchsvolle Geschäftslogik und eine saubere Gesamtarchitektur investieren.

Bei den Kosten lohnt sich allerdings ein genauer Blick. Dem geringeren Entwicklungsaufwand stehen Ausgaben für Plattformlizenzen, Betrieb und Schulungen sowie mögliche Abhängigkeiten vom Anbieter gegenüber. Ob eine Low-Code-Lösung unter dem Strich wirtschaftlicher ist, lässt sich deshalb nur über den gesamten Lebenszyklus der jeweiligen Anwendung beurteilen. Allgemeingültige Einsparquoten wären hier wenig belastbar.

Wirtschaftlich besonders interessant wird die mehrfache Nutzung

Für CIOs und CTOs entsteht der nachhaltige Wert einer Low-Code-Plattform vor allem dann, wenn sich der Entwicklungsaufwand nicht nur bei einer einzelnen Anwendung, sondern über viele Lösungen hinweg senken lässt.

Können neue Anwendungen bereits vorhandene Datenmodelle, Integrationen, Sicherheitsmechanismen und Anwendungskomponenten nutzen, fallen die Kosten für den erneuten Aufbau technischer Grundlagen entsprechend geringer aus.

Individuelle Software lässt sich auf diese Weise einfacher an neue Anforderungen anpassen und langfristig wirtschaftlicher betreiben und weiterentwickeln. Cluu ermöglicht es, dieses Prinzip auch in bestehenden IT-Landschaften mit unterschiedlichen Systemen umzusetzen.

Strategisch geht es damit um weit mehr als eine schnellere Entwicklung: Individuelle Software muss nicht länger als einmaliges Projekt verstanden werden, bei dem jede spätere Änderung erneut hohe Kosten verursacht. Stattdessen kann sie sich zu einem festen Bestandteil der Unternehmensorganisation entwickeln, der sich kontinuierlich an neue Anforderungen anpassen lässt.

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